Больше о нас

2001 gründete eine Gruppe junger Zuwanderer aus den GUS-Staaten den Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland JunOst e.V. Hintergrund der Initiative war, dass es eine Reihe von Multiplikatoren gab, die bereits in den Herkunftsländern in der Jugendarbeit aktiv waren und sich nun in Deutschland weiter engagieren wollten. Es gab für sie aber keine geeigneten Andockstationen und bestehende Organisationen, die zu ihnen passten. Die etablierten Jugendverbände beschäftigten sich sehr wenig mit der Thematik von Zuwanderung, so dass sich Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht angesprochen fühlten. Die bestehenden Migrantenjugendorganisationen waren 2001 nicht besonders zahlreich und wenn es sie gab, dann fokussierten sie sich entweder sehr auf die Gruppe der Spätaussiedler oder jüdischen Kontingentflüchtlinge oder waren sehr stark von älteren Erwachsenen dominiert.

JunOst wollte und will anders sein. Es sollte eine Sammelbewegung sein, die Spätaussiedler, jüdische Kontingentflüchtlinge und andere russischsprachige Migranten nicht trennt, sondern zusammenführt. Die jugendlichen Migranten kamen und kommen zwar auf verschiedenen Wegen und unterliegen unterschiedlichen zuwanderungsrechtlichen Bedingungen, letztlich haben aber alle eine ähnliche Sozialisation durch die Herkunftsgebiete und Familien und haben bei der Integration in Deutschland ähnliche Möglichkeiten, Erfahrungen, Chancen und Probleme. Von Anfang an sollte JunOst auch eine Hilfe zu Selbsthilfe sein, bei dem neue Zuwanderer sich an den Erfahrungen derjenigen orientieren können, die schon länger in Deutschland sind. Dabei spielte es keine Rolle, welchen Aufenthaltsstatus ein Jugendlicher hat, sondern vielmehr die Möglichkeit durch JunOst sich geborgen zu fühlen, aber auch Möglichkeiten der Teilhabe und gesellschaftlichen Gestaltung zu bekommen. Es ist dadurch gelungen mehrere Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen und bestehende Vorurteile dieser Gruppen nachhaltig abzubauen. Die Gemeinsamkeiten stehen bei uns im Vordergrund.

Für die entstehenden Jugendklubs (die Ortsgruppen nennen sich bei JunOst Jugendklubs) bedeutete dies damals wie heute, dass es sehr unterschiedliche Angebote und Aktivitäten gibt. Neben Betreuungsaufgaben wie Hausaufgabenhilfe, Migrationserstberatung, Studien- und Berufsberatung, Bildungsangeboten wie Computerkurse, Sprachkurse und Medienseminare liegen die Hauptaktivitäten in der kulturellen Jugendarbeit. Alle Aktivitäten der Jugendklubs sind ehrenamtlich und selbst organisiert. Entsprechend kann man beispielsweise nicht von einer professionellen Berufsberatung ausgehen, sondern sie sich als zusätzliche Angebote neben den professionellen Angeboten der Arbeitsagentur oder anderer Träger vorstellen. Dort sind es aber meist Personen, die viel älter sind und andere Erfahrungshintergründe haben, so dass Jugendliche selbst noch einen anderen Blick auf die Bedürfnisse der Jugendlichen haben, die zu den Beratungen kommen. Man hilft sich einfach gegenseitig.

Bei den Aktivitäten der kulturellen Jugendarbeit handelt es sich vor allem um Theater-, Tanz- und Musikgruppen. Die Beschäftigung mit kulturellen Themen hat einerseits mit dem Interesse von Personen zu tun, ist aber andererseits sicherlich auch als Kommunikationsmedium zu verstehen. Als „junge Menschen mit Migrationshintergrund“ geht es auch immer ein bisschen um das woher und wohin. Wer bin ich und wer sind die anderen? Diese Beschäftigung mit Heimat und Identität findet ihren Ausdruck in der Beschäftigung mit kulturellen Themen und Inhalten. Spaß soll es natürlich auch machen. Durch öffentliche Auftritte entstehen dabei aber auch Gelegenheiten, die eigenen Gedanken, Wünsche und kulturellen Hintergründe darzustellen und der Mehrheitsgesellschaft zu vermitteln. Deutschland ist unsere neue Heimat, aber die russische Kultur und Sprache hat uns auch geprägt. Wir wollen das nicht verleugnen, sondern pflegen. Wir schlagen Brücken zwischen den Kulturen. Hierzu organisiert beispielsweise JunOst jedes Jahr ein großes internationales Theater- und Musikfestival. Es heißt „JULA“ (übersetzt: der Kreisel) und ist ein riesen Event in München, welches über eine Woche geht. Ziel ist dabei, die russische Sprache und Kultur der GUS-Staaten dem bayrischen Publikum nahe zu bringen und in eine Interaktion zu treten. Es ist deshalb nicht beabsichtigt, sich selbst darzustellen sondern JunOst will Mittler sein, zwischen Deutschland und seiner Mehrheitskultur auf der einen und der russischen Kultur auf der anderen Seite. Nach kleinen Anfängen ist „JULA“ immer größer geworden und mittlerweile sind wir zu einem festen Programmpunkt im Münchener Kulturprogramm des Jahres geworden. Immer mehr Teilnehmer mit nicht-russischem Hintergrund besuchen dieses Event, was wir als großen Erfolg ansehen.

Diese Mittlerfunktion hat JunOst auch im internationalen Jugendaustausch. Jährlich finden über 20 Austauschmaßnahmen bundesweit mit Russland, der Ukraine und anderen Ländern der GUS-Staaten statt. Hierdurch gelingt es uns, eine lebendige Brücke zu sein, zwischen der Jugend der Partnerländer und Deutschland. Wir verstehen uns dabei nicht als geschlossene Gemeinschaft, sondern viele Begegnungen finden unter Beteiligung von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund statt.

JunOst hat sich aus kleinen Anfängen aus sich selbst heraus entwickelt. Häufig begann es mit drei bis vier Personen, die sich privat im Wohnzimmer getroffen haben, um die ersten Aktivitäten zu entwickeln. Daraus ist nun ein großes Netzwerk von 25 Jugendklubs geworden. Darüber hinaus gibt es eine bundesweit eine Vielzahl von Einzelmitgliedschaften. Derzeit hat JunOst ca. 14.000 Mitglieder. Außer in Bayern gibt es keine Landesgruppen, sondern die jeweiligen Jugendklubs sind in einem Bundesverband zusammengeschlossen. Die Ehrenamtlichkeit unseres Verbandes setzt dem Strukturaufbau Grenzen. Es ist uns nicht möglich, ehrenamtliche Multiplikatoren und Jugendgruppenleiter, neben den vielen Aufgaben auf der lokalen Ebene auch noch durch leitende Funktionen auf überregionaler oder Landesebene zu belasten. Dies würde sie einfach überfordern. Die Bundeskoordination wird derzeit durch eine hauptamtliche Geschäftsführung unterstützt. Seit 01.01.2015 erhält JunOst e.V. vom BMFSFJ über den djo-Bundesverband als Zentralstelle eine Strukturförderung. Daraus werden die 50%-Stelle der Geschäftsführung, die Geschäftsstelle in Düsseldorf sowie die Gremienarbeit finanziert. Dennoch zeigt sich, dass diese Förderung den Bedarf nicht abdecken kann. Wer eine aktive Teilhabe von jugendlichen Migranten in der deutschen Gesellschaft will, der kommt an der Notwendigkeit nicht vorbei, dass für bundesweite Verbände Strukturen notwendig sind, die tragfähig für eine kontinuierliche Weiterentwicklung sind. Deshalb fordern wir Chancengerechtigkeit für die bundesweiten MJSO und eine Umsetzung des bundesweiten Integrationsprogramms von 2010, welches das Bundeskabinett gebilligt hat, in dieser Frage.

JunOst wollte sich niemals abschotten, sondern suchte immer Möglichkeiten der aktiven Teilhabe. Seit 2003 ist JunOst Mitglied in der djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V. Über die djo-Deutsche Jugend in Europa und selbstständig hat JunOst von Anfang an versucht, in Netzwerken und Fachkreisen, die sich mit dem Thema Zuwanderung, internationaler Jugendaustausch und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen, mitzuwirken. Hierbei sind der djo-Bundesvorstand und eine Reihe von djo-Landesvorständen, der Spätaussiedlerbeirat des Landes NRW, das Netzwerk für interkulturelle Öffnung und Forschung, der Petersburger Dialog, das Deutsch-Russische Jugendform, die Fachforen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die Kommission Migration und Integration des Deutschen Fußballbundes beispielhaft zu nennen. Teilhabe fordern bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen. Dazu haben wir uns immer bekannt.

Pressemitteilungen

Leid der Vertreibung, Entrechtung und Zwangsarbeit hat Folgen bis in die heutige Zeit — 70. Jahrestag der Deportation der Russlanddeutschen (http://www.djo.de/cms/front_content.php?idcat=61&idart=253)

Gefahr für die Integrationspolitik durch Haushaltspläne — Bundesregierung plant für 2012 zweistellige Kürzung der Integrationsmittel des bundesweiten Integrationsprogramms (http://www.djo.de/cms/front_content.php?idcat=57&idart=242)

Handbuch „Migrantenselbstorganisationen als Akteure der internationalen Jugendarbeit“ erschienen (http://www.djo.de/cms/front_content.php?idcat=50&idart=205)

Hintergrundinformationen

Spätaussiedler
Hierbei handelt es sich um Personen deutscher Herkunft, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten leben. Seit Beginn der Aussiedleraufnahme im Jahr 1950 sind fast 4,5 Millionen (Spät-)Aussiedler einschließlich Familienangehörigen nach Deutschland zugewandert. Seit 1990 gehen die Zuwanderungszahlen stetig zurück. Im Jahre 2009 kamen 3.360 Personen als Spätaussiedler nach Deutschland.
Laut dem Migrationsbericht des Bundesinnenministeriums von 2010 sind von den Spätaussiedlern 2.1 Millionen aus den GUS-Staaten und haben damit einen russischsprachigen Hintergrund.

Jüdische Zuwanderer
Die Zuwanderung von Juden aus den GUS-Staaten regelte von 1991 bis Ende 2004 das Kontingentflüchtlingsgesetz (Gesetz über Maßnahmen für im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen aufgenommene Flüchtlinge) deshalb wird oft von Kontingentflüchtlingen gesprochen. Das Gesetz wurde nach der Wiedervereinigung übernommen und trat außer Kraft mit der Einführung des Zuwanderungsgesetzes am 1. Januar 2005.
Laut dem Migrationsbericht des Bundesinnenministeriums von 2010 kamen in den Jahren 1993 bis 2010 203.000 Menschen mit jüdischem Hintergrund nach Deutschland.

Sonstige russischsprachige Zuwanderer
Dies sind Personen, die auf dem Wege der Berufsaufnahme, Ausbildung wie z.B. Studenten oder Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen sind.
Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2007 sind von der Gesamtbevölkerung 510.000 Personen aus der Russischen Föderation und 197.000 Personen aus der Ukraine, die nicht der Gruppe der Spätaussiedler oder jüdischen Zuwanderung zuzurechnen sind. Die Zuwanderer aus den anderen GUS-Staaten wurden nicht gesondert aufgeführt.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zuwanderergruppe

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp27-grunddaten.pdf?__blob=publicationFile (Mikrozensus 2007)

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Migrationsberichte/migrationsbericht-2010.pdf;jsessionid=3C591285AD53E26D8547784362FDFA34.1_cid294?__blob=publicationFile (Migrationsbericht 2010)

http://www.bamf.de/DE/Migration/Spaetaussiedler/spaetaussiedler-node.html

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2010/integrationsprogramm.pdf?__blob=publicationFile